INR016 Euphorie - Mittelfinger LP

 

Review at "UglyPunk-Fanzine"

Zwei Demos haben EUPHORIE bereits vorausgeschickt, jetzt folgt die Debüt-LP des Trios aus München. Der Titel der Platte passt zu den Songs wie die Faust auf´s Auge, denn dieser Mittelfinger wird fleißig ausgestreckt und auch mit der eben erwähnten Faust auf´s Auge wird nicht gespart. Zwischendurch oder nach Feierabend wird aber auch mal ins Glas eingeschenkt, aber ansonsten kotzen sich EUPHORIE ganz gut aus gegen Yuppies, Polizei, Patrioten oder Politik. Kompromisslos in den Texten und schnörkellos in der Musik gibt es 13x auf die Zwölf. Gerne mal plakativ, aber dafür halt immer unmissverständlich und direkt. Simpler Streetpunk bzw. Oi-Punk!, der unterhält und Laune macht. Und der manchmal sogar facettenreicher ist, als er vielleicht sein möchte. Bestes Beispiel: „Schenk nochmal ein“, dass nicht nur einen Part mit Sprechgesang beinhaltet, sondern auch noch einen schönen „Where is my mind“ Melodiebogen.

Mich erinnert das alles ein wenig an EIGHT BALLS. U.a. weil´s auch so schön unverkrampft ist. Checkste am besten selbst mal und wenn du auf guten Deutschpunk Schrägstrich Oi!-Punk stehst, isses vielleicht was für dich. Spike

 

Review at "Ox-Fanzine"

Ein Streetpunk-Debut aus München, plakativ, deutlich und gut hörbar. Ein wenig denke ich beim Hören sogar an die guten alten Die Alliierten. Der Song Mittelfinger hingegen hätte thematisch echt vom nicht mehr unter uns weilenden Gunter Gabriel stammen können, doch nicht nur die Regeln dieser Gesellschaft, die sich ja immer weiter auseinander dividiert, werden von dem Trio gehörig in Frage gestellt, es geht, wie gesagt textlich auch sehr konkret zu. "Keine Toleranz" richtet sich gegen die immer noch stolzen Deutschen, absolut relevant, wenn man nur einmal bedenkt, das wir in der Bundesrepublik 24.100 registrierte Neo-Nazis haben. "Unsere Stadt" weist auf die immer zahlreicher werdenden Yuppies hin, die doch bitte verschwinden sollen ("Weil ihr nicht ins Stadtbild passt"), doch mein Lieblingssong ist der letzte der 13 knackigen Tracks, nämlich "Spieglein": "Vorwärts mit gebückter Haltung / Was richtig ist, steht in der Zeitung." Ich finde dies alles echt gut gelungen. 7/10

 

Review at "Underdog-Fanzine"

Sechs Fäuste für ein Halleluja und der Mittelfinger für den Rest. Gewaltaffin, pöbelnd und manchmal torkelnd.

Lauthals grölend gegen Nationalismus, Rassismus, aber für Solidarität mit Ge -und Vertriebenen. Mit asozialem Charme und Straßenköterbeißreflexe giften Felix, Ludi, Frenke gegen alle, die Käfige, Mauern und Grenzen bauen und diese noch überwachen. Knüppel aus dem Sack und Ufftata rumpelt und schunkelt es wie auf dem alternativen Oktoberfest mit Punk auf da Dele und Yuppies raus. Menschenjagd auf Punkerart und Feierstimmung mit Krakeel und Krawall. Bombenstimmung nicht nur nach Feierabend. Das Glaubensbekenntnis heißt "Gute Freunde und ein paar Bier". Mit Geld kannst du dir den Arsch abwischen. Pogo, Suff und Antifa als Rezept gegen Trends und Traditionen. Worauf es ankommt und was zählt sind klare Worte und Positionen, was für ein Mensch du bist. Ein Hoch auf die Euphorie...schenk noch mal ein!

 

Review at Human Parasit Fanzine:

Da treffen sich also drei Freunde, trinken Bier, trinken sehr viel Bier und überlegen, was sie außer Bier trinken noch machen könnten. „Lass ma ne Band gründen“ ruft Felix freudestrahlend in die Runde. „Au ja, ich will aber ne Oi!-Band“ lallt Ludi und muss sich am Tisch festhalten, um nicht umzufallen. „Mir ist alles egal, Hauptsache wir können weiter sehr viel Bier trinken“ mault Frenke und bestellt sich eine neue Mass. „Genau. Oi-Musik und Bier trinken. Das passt. Das machen wir.“ Auch Felix bestellt sich ein neues Getränk um mit Frenke anzustossen. „Prost“. „Jetzt brauchen wir nur noch nen coolen Namen. Wer kennt Wörter mit Oi!?“ „Schoinenthor!“ rülpst Ludi und fällt um. „Broilerkoile. Oi! De Tolette. Moi!sepisse…“ Die Gehirne qualmen, bis Felix die zündende Idee kommt: „Wir nennen uns Oiphorie. Das ist lateinisch, klingt schlau, obwohl wir nicht schlau sind und das fängt mit Oi! an.“ So oder so ähnlich wird es sich in einer dunklen Spelunke im Herzen Münchens vor einiger Zeit zugetragen haben. Doch dann haben Felix, Ludi und Frenke wohl ziemlich enttäuscht festgestellt, dass es schon eine Band mit dem Namen „Oiphorie“ gibt, die feinste Faschomucke spielt. Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wieso sie bei diesem dämlichen Bandnamen geblieben sind. Soll das stumpfe Provokation im Stile von Sid Vicious mit Hakenkreuz T-Shirt sein? Da hätten sie sich auch Endstüfe, Werwölf oder Skrudreiwer nennen können. Aber es bleibt bei Euphorie. Zumindest heben sie sich so von etlichen anderen Oi!-Bands ab, die krampfhaft das Oi! in ihren Bandnamen gequetscht haben, vielleicht haben sie aber auch nur Legasthenie. Es ist schade, das mein erster Eindruck so deutlich getrübt ist, denn auch das Artwork und der Plattentitel wirken eher abschreckend und wenig einladend. Musikalisch ist das dann branchenüblicher Oi-Punk. Ufta-Ufta. Bum-Tschak. Der aber tatsächlich Spaß macht, Momente zum Schmunzeln bietet und das Herz am linken
Fleck trägt. „Unsere Stadt“ (gegen Yuppies) und „Stück vom Kuchen“ sind sogar kleine Hits. Dabei sind die Songs recht einfach gehalten, damit du sie auch mit 5 Bier intus immer noch problemlos mitgröhlen kannst. Und Ohrwürmer können sie. Mit branchentypischen ambitionierten Texten übers Saufen, gegen Faschos, gegen die Gesellschaft und natürlich gegen die Polizei. Euphorie sind bierschweißgebadeter Bratwurst-Oi!. Das passt nach München, obwohl mit Bier und Bratwurst dort wohl niemand mehr geschockt werden kann. Fehlt eigentlich nur der süße Senf zur bodenständigen Brotzeit. Wenn du bei Oironie oder Oidorno ganz hibbelig und kribbelig wirst, dann solltest du nicht so viel Moisepisse saufen und dir das neue Euphorie-Album besorgen, bei denen am Ende der Bandname das Schlimmste ist.