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Raptus di Follia / Pest Control - Split-LP

 

Review at Pitfire.net

Eine der coolsten Punk-Gruppen der hiesigen Keller haut wieder eine schicke neue Vinyl-Veröffentlichung raus. Dieses mal eine Split-12inch mit Pest Control, die eben keinen schnellen Old-School-Hardcore machen. Das machen nämlich die Berner Kellerjungs auf Seite A und den darauf enthaltenen sieben Stücken nämlich schon mit Bravour. Ob als wunderbares Tempo-Geballer («FCKD UP») oder auch mit subtiler melodischen Note («Never Rise Again»), der gute alte Kumpel Punk Rock klingt frisch und ist in diesem Fall super gemacht. Ob von der sackstarken DIY-Produktion oder dem knappen, aber vollkommen treffenden, Songwriting spielt man zwischen wütendem Hardcore Punk und etwas Rollbrett-fahrendem Stoff ausschliesslich starkes Material. Coole Crossover-Soli wie in «Hate Cops» sind da noch der Schlot zum Dosenbier. So hundertprozentig kann ich mir nur den Locked Groove vor den letzten zwei Songs nicht erklären, aber dann treibt man wenigstens auch noch ein wenig Sport. Top!
Seite B der schönen LP bestreiten Pest Control, eine Zwei-Frauen-Gruppe aus Solothurn. Das ist ein schöner Kontrast zum eher geradlinigen Punk-Geballer von Seite A. Im klassischer Tradition der alternativen Szene in der Gegend gibt es eher crustigen Stoff auf den drei mindestens lyrisch wahnsinnig geradlinigen Songs. Der D-Beat sitzt und der harsche Gitarrensound bringt mehr hysterische Flächen als knappe Riffs. Geballer wie zu Beginn von «No Borders» lässt schon das Herz aufgehen. Dass die Songs auch ohne den maximal aggressiven, vollkommen unverständlichen Schreigesang die ausfransende Weite suchen, bringt eine durchaus melodische Qualität in die Songs, die so auch ein bisschen an gepflegten Screamo erinnern. Und das machen sie geschickt und nicht gleich wie die überambitionierteste Post-Metal-Band; wie der Song etwa in «Memories» gegen Ende verreckt, ist doch ziemlich eindringlich. Die mir leider vorher unbekannte Gruppe klingt hier auch gut und entzündet einen neuen Stern am düsteren Firmament des lokalen Untergrunds. Diese coole Veröffentlichung von zwei Bands aus den Kellern des Mittellands könnte kaum cooler sein: Feinste Verhältnisse bei schön unterschiedlicher Musik und geschmackvollem Artwork.

Review at Plastic Bomb Fanzine:

Eine wirklich hübsche Split-LP ist das hier. Auf der einen Seite Kinder, die fröhlich um ein brennendes Flugzeugwrackteil tanzen. Vielleicht ist es auch eine Fliegerbombe. Oder ein Leuchtturm. Oder das olympische Feuer. Egal, auf jeden Fall brennt es. Welt in Flammen, Apokalypse, jetzt, jetzt, jetzt! Auf der anderen Seite des Cover, gelbes Insekt vor gräulichem Hintergrund. An der Wand sieht das Scheibchen schonmal gut aus. Was hat es denn musikalisch zu bieten? Da wären zum eine RAPTUS DI FOLLIA aus Bern, schneller, schnörkelloser Mix aus Hardcore und Streetpunk. Ganz schmissig, mir aber auf Dauer zu stumpf und etwas eintönig. Ich hab meine Strassenzeit aber auch schon lange hinter mir gelassen und wohne jetzt in einer Villa aus purem Gold. Die Textzeile "Sometimes I hope that humanity will never rise again" unterschreib ich aber immer noch sofort. Mit meinem Montblanc Füllfederhalter. Besser sagt mir da PEST CONTROL zu. Die klingen, als seien sie direkt der Hölle entstiegen um ewige Verdammnis über die Erde zu bringen. Wird auch mal Zeit. Die Stimme der Sängerin klingt ähnlich angenehm, wie Fingernägel auf Schiefertafel, passt aber gut zu dem Crust-Punk-Dämon, den die Musikerinnen da heraufbeschwören. Abwechslungsreiche Split mit zwei ziemlich unterschiedlichen Bands, kann man mal kaufen. Schwarzes Vinyl ohne Gimmicks.

 

Review at Ox-Fanzine:

Aus der Schweiz bekennen sich zwei Bands zu klaren politischen Statements, die jedoch heute sehr schnell zu Phrasen werden können. Raptus Di Follia präsentieren sieben schnelle, oldschoolige Hardcore-Punk-Nummern mit vereinzelter Metal-Leadgitarre und etwas Streetpunk-Attitüde. Die Art von Musik kommt ohne Strich und Komma mit im Schnitt 1:30 Minuten auf den Punkt. Pest Control sind nicht die gleichnamige US-Hardcore-Band. Hinter dem Namen verbergen sich - angesichts bewusst (?) mangelnder Internetpräsenz im wahrsten Sinne des Wortes - zwei Frauen, die mit teils düsterem, teils treibendem Crustpunk für Abwechslung und Atmosphäre sorgen. Ihre drei Beiträge bauen sich langsam auf und benötigen satte 15 Minuten. Instrumental überzeugt mich das, nur das schrille Gekeife ist mir auf Dauer zu monoton, ganz anders hingegen die Arrangements der beiden. Würde ich gerne mal live erleben. Interessante Scheibe zweier Bands, deren Einstellung in Zeiten wie diesen wichtiger denn je ist.

7/10

 

Review at bierschinken.net

Mich konnte damals schon die erste Single von RAPTUS DI FOLLIA schwer begeistern und nun hauen die Jungs nochmal ´ne mächtige Schüppe oben drauf. Total angepisster, aggressiver HC-Punk, der volle Möhre auf die 12 haut. Ich habe grad beim Hören so dermaßen Bock bekommen, alles kurz und klein zu schlagen und einen wilden Pogo anzuzetteln. 7 starke Songs, wobei nur ein einziger die 2 Minuten Marke knackt und der Rest alles darunter liegt - da wird nicht lange gefackelt. Gefällt mir wirklich außerordentlich gut.
Von PEST CONTROL habe ich bisher nichts gehört, und auch im Internet machen sich die 2 Damen rar - ich habe nichts gefunden. Von dieser Band wird man aber sicherlich noch einiges zu Hören bekommen. Brachiales Krustengeballer gemixt mit altem Black Metal, und das in einem rohen und primitiven Soundgewand der sich gewaschen hat. Die Sängerin hört sich wie eine Kreissäge an, was mir auch außerordentlich gut gefällt. 3 Songs purste Finsternis und Verdammung. Würde mich sehr interessieren wie das live funktioniert. Beeindruckend wie man zu zweit einen solchen Sound schaffen kann. Beide Bands handeln und denken antifaschistisch, und grade in der heutigen Zeit wo bei uns in Europa in nahezu jedem Land dieser beschissene Rechtsruck zu spüren ist, ist es wichtiger denn je Zeichen zu setzen.
Eine absolut gelungene und abwechslungsreiche Split LP.

 

Review at Underdog-Fanzine:

RAPTUS DI FOLLIA servieren einen geradlinigen HC, melodischen Streetpunk und hypnotischen Oldschool Punk mit schnellen Akkordwechsel und Reflexionen zu Lebensentwürfen, Diskriminierungsformen, Ausbeutung und Machtverhältnissen, die ironisch,zynisch, bissig kommentiert werden. Immer wieder durchdringt ein kurzes metallisches Gitarrensolo das Konstrukt aus hard to the core- und back to the roots-Ambiente. Die beiden Bonus Songs vom Demo aus dem Jahre 2013 ertönen in einem schweren, dunklen Sound mit melodisch kraftvollen OI-Punk- und 80er-Ostküsten-Ami-HC-Manier und insbesondere "Your face" ist zumindest musikalisch angelehnt an die AF-Victim in pain-Scheibe. PEST CONTROL brüllen antifaschistische Parolen durch das politische Zentrum und positionieren sich mit klaren einfachen ideologischen Grundsätzen einer linken Bewegung, die charakteristisch geprägt ist von direkten Aktionen gegen die HERRschenden Verhältnisse, die aber auch eine intensive Reflexion darüber voraussetzen wie ein "besseres" menschliches Miteinander zu organisieren sein könnte. Politische Kämpfe sind anstrengend und ermüdend, so ist es gut, wenn da jemensch in der Nähe ist, die/der Kraft, Trost spendet, um die Vitalität der Autonomenbewegung und den Sinn des eigenen politischen Handelns aufrecht zu erhalten. Dafür lautmalt die 2Frauband PEST CONTROL eine düstere, schwere Klanglandschaft voller Aggression, Wut und Melodie mit eruptiven Ausbrüchen und instrumentalen längeren Passagen, in denen Platz und Raum bleibt, das strukturierte Gewüchs aus Todesröcheln, Verzweiflung, Wut und Kerzenschein zu nähren.

 

Review at Away from Life.com

Raptus Di Follia, der Review Dauerbrenner auf AWAY FROM LIFE. Seit unserer Gründung im Jahr 2015 hatten wir das Vergnügen ein Review über die Berner Streetpunk-Formation zu Schreiben. Die Tradition wird auch 2017 nicht gebrochen, auch wenn es diesmal etwas knapp war. In diesem Jahr besprechen wir jedoch nicht nur Raptus Di Follia, denn bei dem neusten Release der Band handelt es sich um eine Split-LP (!) mit Pest Control. Üblicherweise steuert einer Split beide Partner jeweils die selbe Menge an Songs zu; hier nicht. Während Pest Control mit drei Songs vertreten sind, gibt es von Raptus Di Follia gleich sieben Songs. Grund für diese Verteilung ist wohl, dass die Songs von Raptus Di Follia im Durchschnitt 90 Sekunden dauern und die Spiellänge der drei Pest Control Tracks alleine bei 15 Minuten liegt. Wir können uns zu Raptus Di Follia wie in unseren vorherigen Reviews nur wiederholen: Die Schweizer spielen astreinen Streetpunk im Stile von Bands wie Obtrusive, Monster Squad und Krum Bums. Wirklich sehr fette Sache! Hinzu kommen US-Hardcore Einflüsse ala Agnostic Front. Die Soundqualität ist genau so wie man sie sich wünscht und die Tracks gehen sprichwörtlich allesamt runter wie Butter. Da wünscht man sich wirklich die Streetpunk-Hochzeit Mitte der 2000er zurück!

Pest Control schlägt da schon eine andere Richtung an. Die drei Songs ordnen sich irgendwo zwischen Crust, Powerviolence und Metal ein. Durch die während den Songs oftmals vorkommenden langsamen Parts und die vielen Gitarrensolis kommt das ganze sehr düster und dunkel daher. Trotzdem nicht mein Fall, da mir die Songs viel zu sehr in die Länge gezogen werden und ich mit den Genre einfach zu wenig anfangen kann – aber sicherlich nicht schlecht umgesetzt. Bleibt abzuwarten ob wir auch 2018 ein Review von Raptus Di Follia hinbekommen!

 

Review at uglypunk.deRAPTUS DI FOLLIA / PEST CONTROL Split-LP, soso. Beide sind mir völlig unbekannt, was sich aber jetzt mit dieser Platte ändern soll. Turbulenter und im höheren Geschwindigkeitsbereich vorgetragener Punk mit deutlichen Hardcore-Anleihen, bläst mir von RAPTUS DI FOLLIA ins Gesicht. Alles ziemlich direkt und kurz und schmerzlos vorgetragen, was auch die Spielzeit der 5 Songs (ca. 1 ½ Min. Durchschnitt pro Lied) belegt. „In Silence“ kommt richtig geil und ist für mich der Hit. Der Rest ist zwar nicht schlecht, aber jetzt auch nicht das Nonplusultra. Glatte 3 als Schulnote würd ich sagen.

PEST CONTROL (ein Duo aus zwei Musikerinnen) holen mit 3 Liedern zum Rundumschlag aus, haben mit diesen aber mehr als eine doppelt so lange Laufzeit wie ihre Split-Partner. Brutalo-Screamo-Gaballer zwischen Kruste, Punk, Hardcore und Metal. Mal schleppend, mal schneller, auf alle Fälle ziemlich facettenreich in den Songstrukturen. Die Sängerin kreischt alles so dermaßen an die Wand, dass ich froh bin, den Texten über´s Textblatt folgen zu können. Im Gegensatz zur Musik recht wenig Worte, aber ich denke, damit drücken sie alles aus, was sie ausdrücken wollen.

Musikalisch sind beide Bands weit voneinander entfernt, verbinden tut sie allerdings der Inhalt… und wahrscheinlich die Freundschaft… und jetzt auch diese Split. Wie gesagt, rein musikalisch ziemlich gegensätzlich, aber genau das macht auch einen gewissen Reiz aus und beugt zu schnellem Überhören vor.